Samstag, September 04, 2010
   
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Führungsfähigkeit im Einsatz

Gruppenfoto_der_SeminarteilnehmerHardthöhengespräch
18./19.März 2010 im Kranz Parkhotel in Siegburg


Die Bundeswehr befindet sich seit fast zwanzig Jahren im Einsatz. Der Bogen sehr unterschiedlicher Aufträge, Kontingente und Führungsstrukturen war Anlass der „Führungsfähigkeit im Einsatz“ ein Symposium zu widmen. Ausgehend von Erfahrungen deutscher Kontingentführer auf operativer und taktischer Ebene in Einsätzen – gerade auch der jüngsten Zeit – wurde aus den unterschiedlichsten Perspektiven, am 18./19. März ein Symposium der Hardthöhe Seminargesellschaft durchgeführt. An sehr interessanten und anschaulichen Vorträgen wurde in der geschmackvollen Atmosphäre des Kranz Parkhotel in Siegburg dargestellt, wie militärische Führer – unterstützt durch Mitarbeiter und moderne Technik – ihre Führungsaufgaben im Rahmen der vorgegebenen Aufträge, der jeweiligen Bedrohung, der verfügbaren Zeit und mit der erforderlichen Routine bewältigen.

Brigadegeneral Weigt und Brigadegeneral a.D. Schulz im Dialog
Brigadegeneral Weigt und Brigadegeneral a.D. Schulz im Dialog

Unter der Moderation von Herrn Brigadegeneral a.D.  Hans-Herbert Schulz, einem ausgewiesenen Kenner der Materie – gaben Vorträge von erfahrenen militärischen Führern, der Führungsakademie der Bundeswehr und Repräsentanten der wehrtechnischen Industrie sehr interessante Einblicke in die Organisation, die Arbeitsweise und die Führungskultur in Gefechtsständen, als auch die Interaktion innerhalb der Führungsprozesse selbst. Darüber hinaus gewährte das Symposium einen Einblick in die aktuellen technischen Möglichkeiten der Führungsunterstützung sowie auch mehrfach Gelegenheit die innovativen Ansätze bzw. die technischen Lösungsmöglichkeiten der Zukunft anzusprechen. So wurde aufgezeigt, wie die Bundeswehr bei aktuellen Einsätzen die Transformation und Weiterentwicklung der Führungsunterstützung „anpackt“, wie sie dazu von Dienstellen und Ämtern im Inland unterstützt wird und andererseits, durch Produkte der wehrtechnischen Industrie zur weiteren Verbesserung zukünftig befähigt werden kann.

Herr Reich, Herr Seebode, beide ESG; Herr Fabisiak, KMW
Herr Reich, Herr Seebode, beide ESG; Herr Fabisiak, KMW

Herr Brigadegeneral Spindler, General für Ausbildung im Heeresamt stellte den menschlichen Führer in den Vordergrund seines Vortrages. In seinen Ausführungen wurde deutlich, dass für die Erlangung der Führungskompetenz die Fähigkeiten des militärischen Führers von herausragender Bedeutung sind. Gerade die Auswahl und die Ausbildung des Soldaten für den speziellen Einsatz ist heute wichtiger der je. Herr OTL i.G. Gleißner vom Streitkräfteunterstützungskommando richtete in seinem Vortrag dem Blick auf die im Einsatzgebiet dem militärischen Führer vor Ort zur Verfügung stehende Technologie. Auch warf er einen kritischen Blick auf die bestehenden Fähigkeitslücken.

Brigadegeneral Spindler
Brigadegeneral Spindler

Herr Brigadegeneral Bescht, Stv. Kdr der DSO, berichtete aus seinem erfolgreichen Einsatz im Kongo. Eindrucksvoll schilderte er die Probleme vor Ort, wie z.B. fehlende – in unserer Gesellschaft vorausgesetzte Standards – die Unterstellungsverhältnisse in multinationalen Einsätzen, verbunden mit Sprachbarrieren und die Unruhen in Kinshasa während der Präsidentschaftswahlen im Jahr 2006. Seine Ausführungen wurden um so deutlicher, als  sich der Zeitansatz des Einsatzes von geplanten vier Monaten auf fünfeinhalb Monate verlängerte.

Brigadegeneral Bescht
Brigadegeneral Bescht

Die Firma Rohde&Schwarz, vertreten durch die Herren Fendinger und Sauerzapfe, schilderten aus Sicht der Industrie die der Bundeswehr zur Verfügung gestellten Kernfunktionen und Fähigkeiten. Auch wurde auf die NetOpInfo-Befähigung der Streitkräfte anschaulich eingegangen. Wesentlicher Bestandteil der Diskussion war die Frage nach der technischen Realisation der Produkte, so z.B. Wie werden auf verschiedenen Ebenen eingestufte Informationen transportiert – und diese idealerweise mit lediglich einem Fernmeldegerät.
Herr Dr. Kraft von EADS Astrium berichtete von der Leistungsfähigkeit SATCOMBw, dem derzeitigen Status sowie einem Ausblick in die Zukunft – auch vor dem Hintergrund der Vorbereitungen der Heinrich-Hertz-Mission des DLR. Wie ein vernetzter Ansatz am Beispiel der Wirkweise im Kosovo gestaltet werden kann, wurde in sehr anschaulicher Form von Oberst i.G. Bogusch vom Heeresamt vorgetragen. Seine Ausführungen zeigten die ganze Bandbreite des FGG 9 bis hin zur Empfehlung eines „Knowledge-Management“. Ziel, so Oberst i.G. Bogusch, sei die Informationsüberlegenheit.

Brigadegeneral a.D. Schulz
Brigadegeneral a.D. Schulz

Herr Hammer von der EADS griff dieses Ziel auf und bewerte dieses mit einem sehr gelungenen Vortrag durch eine Bestandsaufnahme aus der Industrie. Ihm gelang es in seinen Ausführungen die gesamtgesellschaftliche Dimension der Symposiums-Thematik abzubilden.  Herr Görtz von Thales Deutschland stellte die Planung und Vorbereitung komplexer Missionen unter Nutzung von Simulationen und C4l beeindruckend dar. Für Oberst i.G. Fürnrohr von der FüAkBw stand die Ausbildung von Führungsgehilfen zur Führungsfähigkeit von nationalen Kontingenten und internationalen Kommandos im Vordergrund. Darüber hinaus konnte er nicht nur aus seinen vielseitigen Verwendungen, sondern auch von den zukünftigen Lehrinhalten zur Führerausbildung der FüAkBw berichten.  Das „Stream Computing“, echtzeitnahe Entscheidungen auf Basis ereignisorientierter Informationen war Gegenstand des Vortrages von Herrn Hornbach von IBM.

Herr Görtz, Thales
Herr Görtz, Thales

Herr Dr. Bahmeier, IABG
Herr Dr. Bahmeier, IABG

Die richtigen Informationen, zur richtigen Zeit zur Entschlussfindung zu Auswertung vorliegen zu haben, stand bei seinen Ausführungen im Mittelpunkt. Herr Dr. Bahmeier, IABG, stellte die Möglichkeiten der Führung auf Basis von „Link 16“  -  nicht nur aus technischer Sicht - dar, und gab einen sehr interessanten Einblick in die Historie, den Sachstand, aber auch die zukünftigen Perspektiven. OTL i.G. Heß, BMVg, nahm in seinem Vortrag das Auditorium mit in den „Einsatz“. Seine eigenen Erfahrungen im HQ RC North in Afghanistan, schilderten sehr anschaulich die derzeitigen Führungsfähigkeiten des militärischen Führers im multinationalen Umfeld.

Gruppenbild mit BrigGen Weigt
Gruppenbild mit BrigGen Weigt

Brigadegeneral Weigt
Brigadegeneral Weigt

Oberst Kneflowski, Kdr LKdo NRW,  holte die Anwesenden wieder ins „Inland“ zurück und stellte die  Aufgaben, den Einsatz und die Führung des Landeskommandos in NRW mit all seinen Facetten in den Rahmen der zivil-militärischen Zusammenarbeit. Brigadegeneral Weigt, KdoOpFüEingrKr, ging auf sehr eindrucksvolle Weise die Planung und Führung einer vernetzten Operationsführung auf operativer und strategischer Ebene ein. Neben den Aufgaben und Fähigkeiten die unter dem Dach des KdoOpFüEingrKr gebündelt sind, stellte General Weigt auch die politische Bedeutung, die einsatzorientierte Weiterentwicklung, die Aufgaben aller Ebenen sowie die Planungsprozesseder militärstrategischen und der operativen Ebenen dar. Auch erläuterte er die Ziele und die bereits erreichten Resultate seines Kommandos.



Zusammenfassend war dieses Symposium eine hochkarätig besetzte Veranstaltung, die – so die übereinstimmende Resonanz aus dem Kreise der Teilnehmer – nach einer Fortsetzung verlangt.

Exklusiv Interview

Mit Brigadegeneral Thomas Reiter, Mitglied des Vorstands des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

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