Hardthöhengespräche
Modernisierung der Bundeswehr Chancen und Risiken für industrielle Partner
Modernisierung der Bundeswehr Chancen und Risiken für industrielle Partner
27. und 28. November 2009
Die Transformation der Bundeswehr ist weit fortgeschritten und in den Streitkräften ebenso wie in vielen Bereichen der Wehrverwaltung bereits jetzt eine Erfolgs-geschichte. Dennoch gibt es zu vielen Aspekten immer wieder Informationsbedarf und „Knowhow“ - Austausch. Dies war Anlass genug, die inzwischen etablierte Seminarreihe der Hardthöhengespräche im November der Modernisierung der Bundeswehr, deren Herausforderungen und Auswirkungen auf die zivile Wirtschaft in Form eines Exklusiv - Symposiums zu widmen. Um Chancen und Risiken für industrielle Partner zu beleuchten, aus verschiedensten Blickwinkeln zu hinterfragen bzw zu diskutieren, wurde unter bewährter Leitung von Generalmajor a.D. Dipl. Ing. Peter Treche nach Siegburg eingeladen.

Generalmajor a.D. Treche
Im fast schon überfüllten Vortragssaal des Kranz Parkhotels stellte zunächst Brigadegeneral Dr. Ansgar Rieks, Gruppenleiter in der Abteilung Modernisierung im BMVg, konzeptionelle Ableitung, Charakteristik, Strukturen, Möglichkeiten, Grenzen und damit Bedeutung der Modernisierung dar. Dabei bezog er bilanzierend das Spektrum unterschiedlichster Kooperationen von Bundeswehr und Wirtschaft mit ihren aktuellen Sachständen, Perspektiven der Bewertung für die Lösungsstrategien „Optimierte Eigenmodelle“ versus Beteilungsunternehmen/Kooperative Modelle und deren „Lessons learnt“„ein.
Brigadegeneral Dr. Rieks
Auf dieser Grundlage erläuterte Brigadegeneral Hermann Muntz, General Luftwaffenrüstung und –Nutzung, zugleich Stellvertretender Kommandeur des WaffensystemKdoLw, den Modernisierungsansatz für die Waffensystemlogistik der Luftwaffe sowie die damit verbundene Industriekooperation zur Sicherstellung der Einsatzbereitschaft der Waffensysteme und wertete vor allem die Kooperationen in der Materialerhaltung von komplexen fliegenden Waffensystemen als Erfolg.
Brigadegeneral Hermann Muntz
Qualität und Wert der Unterstützungsleistung der g.e.b.b. für die Bundeswehr, deren Geschäftsmodell, Aufgabenwandel und aktuelles Leistungsspektrum stellte ihr Geschäftsführer, Dr. Martin Rüttler, heraus. Die neue, Schwerpunktaufgabe der g.e.b.b. u.a. als Inhouse-Berater für abgestimmte, innovative Konzepte inklusive ihrer Umsetzungsbetreuung wurde überzeugend dargestellt. 
Dr. Martin Rüttler
Wie die Führung des Bundesministeriums der Verteidigung die vielfältigen Private-Public-Partnership-Aktivitäten sowie Investitionen bzw. Betrieb auf der Grundlage eines differenzierten Ebenen - orientierten Controllingsystems überwacht und steuert, legte Ministerialdirigent Harro Wist, Leiter des Stabes Leitungscontrolling, dar. Insbesondere anhand der „Begleitenden Erfolgskontrolle für strategische Entscheidungen wie z.B. HERKULES / BWI als Instrument des Leitungscontrollings für die Führungsebene der Bundeswehr“ wurde dem Teilnehmerkreis in sehr verständlicher und eingängiger Form präsentiert sowie thematische Fragestellungen beantwortet.
Ministerialdirigent Harro Wist
Wie das Heer die Modernisierung in der Heereslogistik bei gleichzeitiger hoher Einsatzbelastung schultert und bei knappen Ressourcen bewältigt, erläuterte Brigadegeneral Hans – Joachim Fischer, Stabsabteilungsleiter Fü H II im BMVg, in seiner Tour d’horizon. Grosse Beachtung fand seine synoptische Darstellung der vielfältigen Arbeitsbeziehungen des Heeres mit der Industrie auf verschiedensten Ebenen vom Einsatzgebiet bis hin zur Heeresinstandsetzungslogistik (HIL) und der dabei gewonnenen, durchweg positiven Erfahrungen.

Brigadegeneral Hans–Joachim Fischer
Höhepunkt des Symposiums war der Vortrag des ehemaligen Inspekteurs des Heeres, Generalleutnant a.D. Gert Gudera, zum „Kooperationsmodell Chile“, eine gemeinsame Initiative von Bundeswehr und wehrtechnischer Industrie unter Einbeziehung erfahrener Reservisten zur Modernisierung des chilenischen Heeres durch Unterstützung beim Aufbau neuer Strukturen, bei Ausbildung, bei Ausrüstung und in der Materialwirtschaft. Er zeichnete ein Modell, das sich nicht nur bewährt hat, sondern sich ggf. zukünftig zur Nachahmung anbietet. Damit stand der erste Tag des Symposiums ganz im Zeichen tiefer Einblicke in Grundlagen, Spektrum und Sachstände der Modernisierung der Bundeswehr.

Generalleutnant a.D. Gert Gudera
Zur Abrundung des Tages hatte DHL, vertreten durch Leitenden Postdirektor Udo Eschenbach, alle Teilnehmer des Symposiums ins DHL - Innovation Center nach Troisdorf geladen, um optimierte logistische Prozesse am praktischen Beispiel des internationalen Paketversandes und der Nutzung modernster RFID-Technik anschaulich darzustellen.
Leitender Postdirektor Udo Eschenbach
Nach einem langen Tag, der durch aktuelle Informationen über die Sitzung des Deutschen Bundestages zu den an diesem Tage eingetretenen personellen Veränderungen in der zivilen und militärischen Führung der Bundeswehr begleitet war, lud der Hardthöhenkurier die Symposiumsteilnehmer zum Abendessen und Informationsaustausch in die Siegburger Abteibrauerei, wo bis kurz vor Mitternacht die Eindrücke des Tages diskutiert und weitere Initiativen zur Modernisierung der Bundeswehr gemeinsam als Lösungsansätze angedacht wurden.
Lag am ersten Tag der Schwerpunkt auf der Bundeswehr, so stand der zweite Tag im Fokus der Industrie. Aus dieser Sicht präsentierte nun Andreas Hammer, Head of Defense Systems Key Account von EADS, wie sich ein internationales Großunternehmen wie EADS auf die sich verändernden Bedarfe für Security & Defense und speziell auf die Transformation von Bundeswehr und Bündnissen aber auch internationalen Großkunden mit dem EADS-Leistungsangebot für Waffensysteme/Kommunikationstechnologie/Services und dem „Strategischen EADS - Geschäftsmodell“ eingestellt hat. 
Andreas Hammer, Head of Defense
Systems Key Account von EADS
Wie in der Wirtschaft moderne Business – Intelligence - Methoden und –Instrumentarien für das unternehmensweite Controlling genutzt werden, stellte Herr Gotthard Tischner, Vorstand der Cundus AG, anhand überzeugender IT-Solutions dar. Dabei wurde anhand konkreter Beispiele aufgezeigt, wie sich in Bundeswehr und Wirtschaft sehr ähnlich strukturierte Controlling - Systeme entwickelt haben und damit eine weitgehende synchrone Steuerung, beginnend von der Unternehmens-strategie bis zu deren operativer Umsetzung, in Geschäftsprozessen und dynamischer Erfolgskontrolle möglich sind. 
Gotthard Tischner, Vorstand der Cundus AG
In diesem Kontext erläuterte der Vertreter der Hauptabteilung Rüstung, Technischer Regierungsdirektor Braun, BMVg Rü I 3, die konzeptionellen Grundlagen und Charakteristika einer neuen Rüstungspolitik.
Es wurde das Engagement des Rüstungsbereiches, durch gezielte Schwerpunktbildung den Einsatzsofortbedarf zu decken und CPM – Prozesse zu verkürzen, ebenso deutlich wie das Engagement in der kontinuierlichen Verbesserung der Ausstattung, Realisierung der Beschaffungsplanung in engem Schulterschluss mit der Industrie sowie Unterstützung durch WTDs und wehrtechnische Beamte im Einsatzgebiet.

Herr Braun Technischer Regierungsdirektor
Als abschliessenden Höhepunkt stellte der Leiter Finanzen und Unternehmens - controlling des (vom) Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Herr Manfred J. Senden, die besonderen Charakteristika des Geschäftsmodells der DLR dar und illustrierte durch zahlreiche Beispiele, wie durch flexibles, prozessorientiertes Matrix – Management für die Programm - Verantwortung und deren effektive und effiziente Leistungserbringung durch die relevanten Institute erreicht und durch ein DLR-weites Management für die Unterstützungsprozesse einschließlich Controlling gesteuert werden kann. Dabei wurde auch deutlich, wie das DLR durch innovative Leistungsangebote für Konzeption und Umsetzung der Unternehmensorganisation den gesamten Sicherheitssektor weit über die Bundeswehr hinaus unterstützen kann. Das Leistungsangebot Sicherheitsforschung, dass das DLR für die Bundes-wehr intensivieren will, wurde dem Teilnehmerkreis vorgestellt. 
Herr Manfred J. Senden Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Nach einer lebhaften und konstruktiven Diskussion mit dem Teilnehmerkreis und Referenten fasste der Seminarleiter, Generalmajor a.D. Peter Treche, die Ergebnisse des Symposiums zusammen: Modernisierung ist viel mehr als nur Modernisierung des Materials, sondern zielt auf neue betriebswirtschaftliche Führungsinstrumente und effiziente Geschäftsprozesse sowie deren IT-Lösungen zur Erfüllung der Bundeswehraufträge. Auf der Basis professioneller Methodenexpertise, sicherer Vorgehensweisen in Zusammenarbeit mit der Industrie sowie Motivation und Information der Mitarbeiter der Bundeswehr sind bei begrenzten Budgets wesentliche Meilensteine erreicht worden, um sich unter Berücksichtigung von Einsatzerforder-nissen stärker auf die Kernfähigkeiten zu konzentrieren, wirtschaftliche Optionen des Out – tasking intelligent zu nutzen, zu überwachen und mit „best practice“ zu steuern. Noch zu erreichende Grund- und Zielbefähigungen sowie neue Out – Tasking – Möglichkeiten wie die Projektskizze Logistik und Projekt Individualausbildung Bundeswehr sowie die schrittweise Modernisierung der Bundeswehr -Gesamtorganisation bieten gute Chancen für die Wirtschaft, dabei letzteres gerade auch für mittelständische Unternehmen.
Risiken können durch enge Kooperationen, Vertrauensbeziehungen, Dialoge wie Transparenz zwar nicht ganz ausgeschaltet, aber doch minimiert und somit beherrschbar bleiben. Dabei nimmt auch der Rüstungsbereich eine zuverlässige und professionelle Mittlerrolle ein, welche die Industrie auch weiterhin als gute Adresse nutzen sollte.
Das Ziel des Symposiums, eine „Zwischenbilanz“ der Modernisierung zu ziehen und aufzuzeigen, welche Auswirkungen die Transformation auf die wehrtechnische Industrie, die Forschung und die Interessen der Bedarfsträger hat, wurde mehr als erreicht. Auch in 2010 werden sich die Hardthöhengespräche u.a. weiter mit dieser wichtigen Thematik beschäftigen. Einzelheiten siehe www.hardthoehe-ug.de
Exklusiv Interview
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Das System BwFuhrparkService – Gegenwart und Zukunft Seminarreihe Hardthöhengespräche I. Quartal 2011 Täglich begegnen...
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